Donnerstag, 3. April 2014

Die erste Regel des Biertempels: Rede nicht über den Biertempel. Über das, was drinnen passiert, muss man Stillschweigen bewahren. Vor allem als Eingeweihter, was man mit dem ersten Besuch geworden ist. Jahrelang war ich stolz auf meine Biertempeljungfernschaft, es ließ sich so viel besser lästern und fantasieren. 

"Wir waren gestern noch im Biertempel."
"Mein Beileid." 

"Wir waren gestern noch im Biertempel."
"Oh, Gott."
"Ja, der war auch da."
"Hat er denn gar keine Lust mehr?"
"Ach, lange schon, der will nur noch trinken."

"Wir waren gestern noch im Biertempel."
"Wenn ihr euch daran erinnern könnt, wart ihr bestimmt nicht im Biertempel."

"Wir waren gestern noch im Biertempel, glaube ich."
"Ah, cool, ist alles beim Alten?"
"Welcher Alte? Sind alle alt."

Manches vertrauliche Geheimwissen hatte ich gewonnen, weil jemand dachte, ich wäre ja mindestens einmal im Biertempel gewesen. Ich betrete ihn also gut vorbereitet, so lässig und selbstverständlich, wie mir möglich ist.
Rauch schlägt uns entgegen, Körper aus Nikotin strecken ihre Köpfe durch den Nebel, eine Plastikpflanze wird von Neonlicht bestrahlt. In der Eingangshalle die Priesterin des Abends, mit einem Nicken gibt ihr meine tempelerprobte Begleitung zu verstehen, dass ich weiß, was ich tue. Noch. Sie reicht uns Kelche mit Ambrosia und flirtet weiter mit einem tätowierten Greis, dessen Ziegenfuß lässig an einem Ring des Barhockers lehnt.
"Ist nur eine Prothese", raunt mir C. zu, "das echte ging im Kaiserreich verloren."