Dienstag, 1. April 2014

Biertempel. Was für ein Schuppen! 
Meine jahrelange Skepsis war mehr als angebracht. Sie fußt auf einer Vorbeifahrt vor vielen Jahren, ich hatte einige Kisten aus der Brunnenstraße im Auto, um sie in die neue Bleibe an der Seestraße zu bringen. Es muss am Nachmittag gewesen sein, als ich am Biertempel vorbeirollte. Die Tür stand offen, draußen standen Schwankende und brüllten. Und wie sie brüllten und sich beschimpften, Urschreie aus der Tiefe des Glases.
Von allein wäre ich also nicht weiter auf die Idee gekommen, den Tempel zu betreten. Seit einer Weile aber häuften sich die Erfahrungsberichte von Freunden und Bekannten, man wäre sehr spät noch im Biertempel gewesen. Wüste Geschichten erzählten diese, Exzesse zwischen Schlager und Schlägerei. Kaum war ich zu überzeugen, mich doch einmal anzuschließen, aber es schien sich doch um einen speziellen Ort zu handeln. Und vielleicht kennt man den Wedding nicht, wenn man ihn nicht auch einmal durch die Tür des Tempels gesehen hat.
Ohne C. hätte ich es wohl auch nicht gemacht, die ein besonderes Gefallen am Ort entwickelt hat. Will sie die Erlebnisse womöglich doch einmal literarisch nutzen, oder ist sie auch ohne Hintergedanken fasziniert von den Abgestürzten? Oder der Anarchie? Dass sie den Winter über in der Kältenothilfe gearbeitet hat, war ein zusätzlicher Vertrauensfaktor, dieses Mal nachzugeben und unerschrocken mit ihr gegen 3 Uhr den Biertempel zu betreten. Sie würde mich aus allem herausboxen, ich fühlte mich sicher.