Mein Ziel ist die Dönerbude, von der mir so viele erzählt haben, es wäre die derzeit beste im Umkreis. Heute ist der Tag, diesen Döner zu probieren. Unterhalb des ehemaligen Aldis, das jetzt ein Spielcasino ist, dreht sich ein gewaltiger Spieß jeden Tag.
Viel scheint nicht los zu sein, als ich mich anstelle, aber der erste Eindruck täuscht. Vorne wartet ein Bauarbeiter und hat offenbar für alle seine Kollegen mitbestellt, zwischen ihm und mir noch ein Tourist oder auswärtiger Student mit hungrigem Blick. Dahinter ich.
Ein älterer, türkischer Mann kommt dazu und stellt sich schon im ersten Herankommen nur widerwillig hinter mich. Dem Bauarbeiter werden die Döner gestapelt, es dauert keine zwei Minuten, bis der hinter mir sich vordrängelt. Nach vorne an die Scheibe und etwas fordernd türkisch hineinruft, etwas wie “Junge, mach mir mal zwei Döner, einer zum Mitnehmen.”
Ein dreister Drängler, der sich im Vorteil fühlt und ihn sich herausnimmt, weil er den gleichen Migrationshintergrund hat. Und älter ist, teure Schuhe trägt. Natürlich entgeht die Aktion niemandem, nicht mal dem Touristen oder Studenten, den Dönerverkäufern genauso wenig.
“Der da ist eigentlich dran”, sagt der eine Dönermann fast unhörbar zum anderen, sein Nicken in meine Richtung ist nicht zu übersehen, braucht keine Übersetzung - und sie machen sich letzlich dann doch nichts draus. Ich mache mir auch nichts draus, aber das können sie nicht wissen. Mich verärgern sie nicht, im Gegenteil.
In der Hinsicht bin ich der Buddha des Weddings, der Leibhaftige.
Es ist mir eine große Freude, in das Gesicht des Drängler-Arschlochs zu schauen. Auch die Gesichter der Dönerverkäufer sind Gold wert. Hinter einer Fassade, die so breit ist wie der gewaltige Spieß sehe ich die Gedanken. Sie funkeln nicht, aber es glimmt ein bisschen.
Der Döner schmeckt sehr gut, ist einwandfrei. Ich habe etwas mehr erwartet, aber er rangiert weit oben. Später stelle ich fest, er ist einfach nur doppelt so stark gewürzt wie andere. So viel Tee kann man gar nicht trinken an einem Tag.